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Mittwoch, 12. August 2026

Visuelles Storytelling für Teams

Die Kraft der Geschichten: Perspektiven wechseln, Zusammenarbeit verbessern

Der Workshopteilnehmer war ganz offenbar autistisch. Bei der Zwischenpräsentation zeigte er ein Foto von einem riesigen Bagger, der den gesamten Raum in der engen Straße einnahm. Und sagte: „So fühle ich mich in der Regel: Ich bin immer im Weg. Die Kollegen finden mich schwierig, weil ich so unbeweglich bin. Aber wenn ich meinen Raum bekomme, dann kann ich für das Unternehmen genauso wertvoll sein wie dieser gewaltige Bagger.“ Stille im Raum. Und dann die Erkenntnis des Mannes: „Das habe ich noch nie so formulieren können.“

In London biete ich mit meiner Kollegin Meena Julien ein sehr spezifisches Workshop-Format an: Visual Storytelling. Teams oder Menschen aus verschiedenen Unternehmensbereichen erörtern Probleme und erarbeiten Lösungen mit Bildern. Das ist sehr kraftvoll, geht ziemlich fix und braucht nur das eigene Handy. 

 

Warum nicht einfach reden?

Bilder sind schnell und einprägsam. Sie werden im Gehirn 60.000mal schneller verarbeitet als Text, den das Sprachzentrum mühsam sequenziell zu Wörtern und Sätzen zusammenfügen muss, bevor Sinn entsteht. Die Bilder hingegen werden simultan im visuellen Kortex verarbeitet und in der Amygdala, dem Teil des Gehirns, der für Emotionen zuständig ist. Wir behalten ungefähr 80 Prozent der Bilder im Langzeitgedächtnis, während wir nur etwa 20 Prozent der Textinhalte länger erinnern können. Dabei geht es nicht um das schönste Bild, es geht darum, dass ein Bild eine Botschaft vermitteln und das, was ich im Kopf habe, in die Welt bringen kann.

Warum ist jetzt alles Storytelling?

Unser Gehirn liebt Geschichten. Sie sind die bevorzugte Art, den Sinn in Dingen zu vermitteln. Geschichten helfen uns dabei, uns in der Realität zurechtzufinden und uns die Zukunft besser vorzustellen. Mit Geschichten können wir eine gemeinsame Realität erschaffen und über Grenzen und unterschiedliche Perspektiven hinweg kommunizieren. Geschichten aktivieren gleich mehrere Hirnregionen auf einmal und sorgen für emotionale Resonanz. 

Wozu ist das gut?

Kommunizieren über Bilder funktioniert bei ziemlich vielen Herausforderungen. Wir haben es bereits erfolgreich eingesetzt um zu erarbeiten:

  • Wie lässt sich unsere Zusammenarbeit verbessern?
  • Wie positioniere ich mein Unternehmen besser und erreiche die richtigen Zielgruppen?
  • Wie kann ich die Arbeitsbedingungen für neurodiverse Menschen im Unternehmen so verändern, dass diese Mitarbeiter:innen besser performen?

 

Mein Fazit:

Visuelles Storytelling gibt Mitarbeiter:innen und Teams eine neue „Sprache“, in der sich manches einfacher oder treffender ausdrücken lässt. Das Format mischt die übliche Teamdynamik auf. Auch leisere und schüchternere Mitarbeiter:innen haben mit einem Mal die Chance, sich gegen den üblichen Wortführern Gehör zu verschaffen. 

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