Mein neues Startup
Wie können wir Frauen in männerdominierten Handwerksberufen stärken? Mein ganz eigener Design-Thinking-Prozess
Seit fast einem Jahr ist bei uns zu Hause Baustelle. Es dauert, weil dem einen oder anderen Handwerksbetrieb die Mitarbeiter fehlen. Meine Tochter, ganz pragmatisch, hat nachgefragt, warum. „Gibt’s nicht“, kam mehrfach. Und gezielt Frauen ansprechen? „Schwierig“. Im Ergebnis ist bislang erst ein einziges Mal eine Frau durch die Tür gekommen. Sie hat einen ökologischen Baustoffhandel und kennt sich super mit Altbauten aus.
Aber bei uns hat es rumort. Kann man denn nichts machen? Können wir Frauen unterstützen, die in männerdominierten Handwerksberufen arbeiten? Oder Mädchen, die in diese Jobs streben?
In der Folge haben wir -zig Interviews geführt, um mehr zu erfahren, und beeindruckende Handwerkerinnen kennengelernt: leidenschaftliche Lehmbauerinnen, gestandene Chefinnen, Töchter, die den elterlichen Betrieb übernehmen und den Kopf voller toller Ideen haben. Das hat unseren Entschluss, etwas beizutragen, nochmal befeuert, und die erste Idee zutage gefördert: Wenn ich - aus welchen Gründen auch immer - lieber eine Frau für meinen Bau oder die Renovierung haben möchte, ist es gerade schwierig, eine zu finden. Was wäre, wenn wir das einfacher machen und die Frauen in all ihrer Professionalität zeigen würden?
Daran bauen wir jetzt. Wir machen eine Marktrecherche, gucken uns die Zahlen genau an, untersuchen Zielgruppen und andere Akteure im Markt. Wir analysieren Kundenverhalten, erfragen Motivationen und diskutieren Entscheidungsfaktoren. Wir vergleichen, was es in Großbritannien alles so gibt, und wundern uns über Schnellschüsse online, die mit KI erstellt sind. Währenddessen schärfen wir unsere Mission und unseren Qualitätsanspruch. Nebenher gründen wir eine Familien-GbR und streiten uns um alles Mögliche, weil wir drei sehr unterschiedliche Gründerpersönlichkeiten unter einen Hut bringen müssen, die Wert auf zum Teil sehr verschiedene Dinge legen.
Es steckt eine Menge Arbeit darin, wenn es qualitätvoll werden soll. Für mich ist es spannend zu beobachten, wie ich mich in der Lage zurechtfinde, in der ich sonst einige meiner Kunden begleite. Und es macht einen riesigen Spaß, Methoden aus dem Design Thinking für meine eigenen Zwecke zu nutzen: recherchieren - beobachten - Standpunkt definieren - Ideen generieren und verdichten - Prototyp bauen - und demnächst testen.
