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Freitag, 28. März 2025

Digitalisierung: in fünf Jahren von der ersten Idee zum ‚Netzklang Award‘

Wandel braucht engagierte Menschen und eine Menge Durchhaltevermögen

Fünf Jahre ist es her, 10 Tage vor dem ersten Covid-Lockdown, dass eine smarte kleine Arbeitsgruppe das weitsichtige Konzept der digitalen Musikschule entwarf. Kürzlich ist nun die Westfälische Schule für Musik bei den ‚Netzklang Awards‘ für herausragende digitale Projekte mit einem ersten und zwei dritten Preisen ausgezeichnet worden. Ich hatte das Vergnügen, den Wandel und die Ausrichtung auf die Zukunft mit anzustoßen.

Als mich die Anfrage erreichte, galt die renommierte Westfälische Schule für Musik gleichzeitig als das älteste städtische Amt, gemessen am Altersdurchschnitt der Beschäftigten. Seit Jahren kämpften leidenschaftliche Menschen mit viel zu wenig und ungeeigneten Räumen für zu viele Schüler, schlechter Ausstattung, hohem Druck und schlechtem Standing.

Wir starteten den Zukunftsprozess mit einer Vollversammlung mit allen Mitarbeiter:innen, Lehrkräften und Verwaltung, die einen Abend lang das Musikschulgebäude bevölkerten. In einem World-Café-Setting diskutierten +120 Menschen über zehn zentrale Themen wie z.B. die Veränderungen in der Schülerschaft, guten Musikunterricht, Werte und Gemeinsamkeiten. Sie hinterließen Kommentare an der „Wall of Happiness“ zu den schönen Momenten der Arbeit und Kommentare an der Meckerwand. Denn bevor nicht der Frust genügend Raum bekommen hat, kann man nicht frei nach vorn blicken. Der Abend lieferte reichlich wertvollen Input für den folgenden zweitägigen Workshop.

Die gemeinsame Identität als Schule für Musik, die eigenen Qualitäten und eine gemeinsame Vision bildeten die Basis für den Blick in die Zukunft. Die Teilnehmer:innen übersetzten die Vision in sieben konkrete Themen. Eines davon war die digitale Musikschule. In zwei Schritten nahmen sie in Kleingruppen die Umsetzung in Angriff: erst das ideale Szenario "mit dem Zauberstab", dann die detaillierte realistischere Umsetzung. Der Entwurf hatte so viel Kraft, dass ein kleines Teilteam trotz (oder: wegen?) der Pandemie die Umsetzung vorantreiben konnte: mit abenteuerlichen Methoden den Musikunterricht im Frühjahr 2020 ins Digitale verlegt, experimentiert mit verschiedenen Softwarelösungen, einige Dinge wieder verworfen. Über den Digitalpakt NRW Technikmittel akquiriert. Mit Medizinern über Latenzen in der Internetübertragung ausgetauscht (man denke an Fern-OPs). Kolleg:innen ins Boot geholt und Widerstände ausgehalten.

Und heute? „Was wir machen, ist absolut alltagstauglich“, sagt mir Lars Motel, der stellvertretende Leiter der Musikschule und mit Gisbert Keller und Klemens Brüggemann der harte Kern des Digitalteams. Und das betrifft nicht nur das Gitarren-Quartett („Von der Online-Probe zum Live-Auftritt“), das in der hart umkämpften Musiklandschaft NRW den ‚Netzklang Award‘ gewonnen hat, oder den Unterricht mit einzelnen Schülern, sondern durchaus auch die gemeinsame Probe der Big Band über JamKazam.

Veränderung braucht Zeit. Nur selten bekomme ich die Gelegenheit, die Ergebnisse meiner Impulse und Arbeit mit messbaren Daten zu hinterlegen. Nicht nur daher freue ich mich riesig darüber, was die Westfälische Schule für Musik erreicht hat.

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