Freitag, 28. Februar 2025
Ein Anliegen, zehn Workshops, +800 Teilnehmer
Wissenschaftliche Auswertung meiner Workshopreihe für das MHKBD veröffentlicht. Das „Wie“ zählt
Es ist ja ein großes Glück, wenn einem ab und zu ein kundiger Mensch auf die Finger schaut. Mir hilft es beim Reflektieren und Lernen. Das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) hatte 2022/23 die gesamte Workshopreihe zum 'Wohnungsmarktgutachten 2040' begleitet, die ich im Auftrag des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung (MHKBD) des Landes NRW konzipiert und moderiert habe.
Bekommen hatte ich den Auftrag, weil das Ministerium sich versprach, dass ich kurzweilige und interaktive Workshops online liefern kann. In der Konzeption der einzelnen Veranstaltungen mussten die Verantwortlichen dann allerdings oft genug mutig ihr Herz über den Zaun werfen und sich auf technische Inhalte und Formate einlassen, um die wir im Einzelnen lange gerungen haben.
Die zentrale Aufgabe war, den Kommunen und Kreisen in NRW Angebote nahezubringen, mit denen das Land eine ausreichende Versorgung mit Wohnraum zu sichern hilft. Da sind die Bedürfnisse sehr unterschiedlich, je nachdem, wo man hinguckt: In Düsseldorf sind Wohnungen knapp und teuer, im ländlichen Raum ziehen die Jüngeren oft weg. Ältere Menschen leben in großen Häusern, die ihnen über den Kopf wachsen, während junge Familien keine angemessene Bleibe finden.
Vieles ist schon versucht worden, um die Probleme zu lösen. Wir haben trotzdem an neuen Ideen zu gearbeitet: lokale (stille) Held:innen zu Wort kommen lassen, die Dinge vor Ort einfach mal anders gemacht haben; Verwaltungsmenschen ermuntert, unkonventionelle Meinungen zu äußern; kreativ am Bildschirm gearbeitet.
Ein paar weitere Bemerkungen zur Organisation:
Man kann auch mit sehr vielen Teilnehmer:innen online so arbeiten, dass alle eingebunden sind. Das ist der Charme der Technik (Zoom, mit sehr vielen Breakout-Räumen). Dazu sind aber neben der Moderation ein paar weitere Rollen unverzichtbar, und man muss ein paar Besonderheiten im Blick behalten:
In der Vor- und Nachbereitung war Elisabeth Wintergalen vom MHKBD eine fantastische Community-Managerin, die freundliche Einladungen formuliert, Anmeldungen erledigt, Sorgen einzelner Teilnehmer behandelt und sich um die komplette „Nachsorge“ gekümmert hat.
Ich hatte mit Shihab Rashed und Marten Kronemeyer zwei außerordentlich kompetente studentische Mitarbeiter an Bord, die mir als Tech-Hosts und Co-Moderatoren geholfen haben, z.B. bei der Kommunikation mit Teilnehmern im Einzelchat im Hintergrund, beim Management der Gruppen, beim Troubleshooting.
Die Kompexität im Backend von Online-Veranstaltungen ist hoch. Das sollte man nicht unterschätzen. Selbst wenn die Internetleitung steht.
- Teilnehmer kommen und gehen, fliegen unfreiwillig aus der Veranstaltung, weil sie technische Probleme haben oder im Umgang mit der Technik nicht versiert sind. Das schafft Unmut. Die häufigen Unterbrechungen sind stressig, manche fühlen sich bloßgestellt.
- Online wird fast immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig kommuniziert: im Plenum und im Chat, mit Emojis - oder gar nicht, wenn Menschen entweder die Kamera ausstellen oder sich 'totstellen'. Letzteres hatten wir zum Glück kaum. Meine Erfahrung: direkte Ansprache und ggf. Nachfragen im Chat, auch einzeln, locken Teilnehmer aus der Reserve.
- Man muss in kurzer Zeit sehr große Mengen an Informationen verarbeiten. Das kann die Moderation an Grenzen bringen. Wenn man also, um Schüchterne zu aktivieren, z.B. mit anonymisiertem Chat einen „Wasserfall“ an Antworten auslöst, muss man die anschließend auch verarbeiten. Dabei kann man gezielt Teilnehmer ansprechen oder Co-Moderatoren nutzen, damit nichts übersehen wird.
- Manches eskaliert nur dadurch, dass Menschen in Online-Formaten noch stärker versuchen, Fehler zu unterdrücken. Sie fragen nicht, sie interagieren nicht auf dem Miro-Board aus Angst vor Fehlern, oder die ganze Veranstaltung stockt, weil die Präsentation sich nicht starten lässt. Ich begegne dem mit radikaler Transparenz und leichtem Ton. Oder versuche direkt zu Anfang, das Fehlermachen zu üben. Für Mitarbeiter:innen kommunaler Verwaltungen ist das sehr anstrengend und steht im Gegensatz zum erlernten Verhalten. Klappt aber meistens.
- Auch komplex, aber eher bei der Vorbereitung: Im Ministeriumsgefüge braucht man viel Geduld, Fingerspitzengefühl und auch Mut, um zum Beispiel aus Frontalbespielung und PowerPoint-Marathons auszubrechen. Mein Respekt für Stefan Peter und sein Team, die genau das erfolgreich gewagt haben.
Die gründliche und ausführliche inhaltliche Auswertung der Workshops zum Wohnungsmarktgutachten 2040 findet sich online unter https://doi.org/10.58122/5x2m-zh43 Einen großen Dank an Dr. Michael Kolocek und seine Kolleg:innen vom ILS.
