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Montag, 02. September 2024

Die Langzeitfolgen von türkis

Serendipität: Lösungen finden, nach denen man nicht gesucht hat. Ergebnisse meines Selbstversuchs

Ich habe viel recherchiert und einiges ausprobiert, um mein zweites Unternehmen im Londoner Markt zu positionieren. London ist Wettbewerb. Mit Coaches kann man dort die Straße pflastern, und als dort unbekannte Moderatorin das Vertrauen von Unternehmen zu gewinnen, ohne Business Cases in Großbritannien vorweisen zu können, ist auch nicht einfach. In Münster habe ich sehr loyale Kunden und werde empfohlen. In London bin ich noch ein unbeschriebenes Blatt.

Ich trage viele Hüte: als Moderatorin für Teams oder bei Konferenzen, als Coach, Beraterin, Storytelling-Expertin. Das passt nicht in einen 60-Sekunden-Pitch. Wie sollte ich mich also positionieren?

In einem Disput zu meinem Dilemma, bei dem ich mich zutiefst unverstanden fühlte, platzte ich dann heraus: "Das ist ja genauso wie: Ist türkis eigentlich grün oder blau?" Unlösbar. Und eine Frage der Perspektive.

Danach hatte ich einen permanenten Türkis-Filter auf den Augen. Überall sah ich plötzlich türkis. Ich sammelte alles Türkise mit der Kamera meines Handys ein, dokumentierte Haustüren, Graffitis, Terrassenbestuhlung, Jacken, Blumentöpfe und Rollschuhe. Ich lass über die psychologische Wirkung von Farben. Und siehe da: Türkis schlägt demzufolge die Brücke zwischen Intuition und Logik und fördert das innere Wachstum. Wow!

Einige Wochen ging das so, bis der Prozess langsam verblasste. Ich stehe längst an einem anderen Punkt. Mein Wintermantel im letzten Jahr war moosgrün, genauso wie meine Handyhülle. Zufall?

Farben können warm oder kalt wirken, aktivierend oder beruhigend. Sie verraten viel über unsere Vorlieben und das Temperament. Ihre Wirkung verändert sich mit den Materialien. Können wir diese Einsichten nutzen?

Ich benutze seitdem Farben gezielt im Coaching, für assoziative Arbeit, mentale Anker, Kreativitäts-Booster, eine innere "Heatmap". Farben sind dann mitunter Auslöser von Serendipität. Das Gehirn liebt so etwas: Aus Dingen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, etwas Neues zu machen. Und damit den Geist zu öffnen und auf Gedanken zu kommen, die man auf bewusst gewähltem Wege nicht gefunden hätte. 

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