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Sonntag, 18. April 2021

Wenn das Selbstverständliche nicht passiert

Was braucht es, damit ein Unternehmen erfolgreich wird? Slack-Chef Johann Butting beschreibt es in seinem TEDx-Talk.

Manche Dinge wirken erst mit Zeitverzögerung. Der Vortrag von Johann Butting bei der TEDxMünster-Konferenz 2019 gehört für mich dazu. Johann widmet sich in diesem Talk der Frage, was ein Unternehmen braucht, um erfolgreich zu sein. Als Antwort nennt er drei Dinge: Alignment, Collaboration, Accountability. Also die Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel, Zusammenarbeit und Verantwortung.

Zu Johann Butting muss man wissen, dass er zwar gebürtig Deutscher ist, aber nach den ersten Karrierestationen ziemlich rasch in Richtung USA abgewandert ist. Dort hat er Google, Dropbox & Co. noch im Garagenstadium erlebt und kennt vermutlich alle namhaften Tech-Unternehmen von innen. Seit gut vier Jahren ist er EMEA-Chef bei Slack mit Sitz in Irland.

Was Johann in seinem Talk beschreibt, klingt ziemlich selbstverständlich und fast schon banal. Mit etwas Unaufmerksamkeit gleitet die Botschaft ab. Gerade in letzter Zeit habe ich allerdings ziemlich intensiv erleben dürfen was geschieht, wenn genau diesen Punkten nicht die nötige Aufmerksamkeit zukommt, und seitdem denke ich immer wieder an den Talk.

Thema Ausrichtung auf das gemeinsame Ziel: Man muss es erst einmal kennen. Da ist beispielsweise der Unternehmer, der mit großer Energie und einem motivierten Team künstliche Intelligenz groß machen und damit fiktionale Texte verfassen will. Aber was genau? Wohin soll die Reise gehen? Da sind nicht alle auf dem gleichen Blatt, und das erschwert die Aufbauarbeit für sein Unternehmen. Denn das Führungs- und das Entwicklerteam braucht absolute Klarheit, und dann muss das Ziel auch allen weiteren Zielgruppen vermittelbar sein, z.B. den Investoren, Vertrieblern und möglichen Kunden. Ansonsten verpufft viel Energie, weil alle in verschiedene Richtungen rennen.

Thema Zusammenarbeit: Nicht nur Homeoffice macht Zusammenarbeit schwierig. In einem Jahr Pandemie haben viele in ihren Unternehmen die leidvolle Erfahrung gemacht, dass sie weder für die Online-Kooperation technisch ausgestattet sind, noch von ihrem Arbeitgeber die Erlaubnis haben, im Netz angebotene Werkzeuge zu nutzen. Da sinkt nicht nur die Moral, sondern natürlich auch die Produktivität. Und dennoch sehe ich bei vielen, gerade bei Mitarbeiter*innen im öffentlichen Dienst, eine wilde Entschlossenheit, wirksam zu werden und Lösungen notfalls im Graubereich zu erschließen. Was die Zusammenarbeit aber ganz ohne Pandemie erschwert, ist eigentlich viel gravierender: zum Beispiel das Denken nur in Zuständigkeiten, Angst und Druck, narzisstische Chefs.

Thema Verantwortung: Hängt mit den soeben genannten Dingen oft zusammen. Wer verantwortungsbereite Mitarbeiter*innen will, braucht eine gute Fehlerkultur und eine Haltung, die in Möglichkeiten denkt. Überforderung kommt mir zudem in den Sinn: Wer von den Mitarbeitern nur fordert und immer wieder eine Schippe drauflegt ohne Blick für das Machbare, wird die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, schnell zum Schrumpfen bringen.

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