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Dienstag, 08. Dezember 2015

#Kritikprofis

Wie gehe ich konstruktiv mit Kritikern und Querulanten um? Ein Beitrag zur Blogparade von Dr. Kerstin Hoffmann

Verweigerung, Meckern, kritische Rundumschläge - sie gehören zu meinem täglichen Geschäft. Manchmal kann ich die Kritik beim Wort nehmen, und manchmal steckt etwas ganz anderes dahinter. Ich moderiere Workshops und Veranstaltungen. Und es wäre schon sehr merkwürdig, wenn da alles immer glatt laufen würde.


Ich nenne mal typische Fälle, in denen Kritik laut wird:
1. Größere Veranstaltungen: Ich begleite einen Prozess in der Stadterneuerung. Bei der Konferenz mit reger Bürgerbeteiligung sagt mein Gesprächspartner beim Talk ins Mikrofon, dass er von der Art mancher Veranstaltungen gar nichts hält. Das geht gegen mich, weil ich den Prozess mit geplant habe. Und gibt mir die kostbare Gelegenheit, nachzufragen, wie er es sich denn besser hätte vorstellen können. Und auch wenn im Publikum einige ob der Vehemenz des Vortrags die Luft anhalten - der Veranstaltung selbst verleiht es größere Glaubwürdigkeit, wenn die Kritik ihren Raum bekommt. Es geht hier nicht um größtmögliche Zustimmung, sondern darum, dass die Bürger gehört werden und mögliche Konfliktfelder offen benannt werden können. Erst mit der Zulässigkeit von Kritik wird aus dem Feigenblattprozess echte Beteiligung. Also höre ich zu und bedanke ich mich für den Beitrag. Der Kritiker ist zufrieden, weil er vor großem Publikum seinem Ärger Luft machen konnte. Das reichte in dem Fall.


2. Workshop-Situationen mit acht bis 18 Teilnehmern: Viele Workshops finden genau deswegen statt, weil es bereits Konflikte gibt. Weil Schnittstellen nicht funktionieren, weil die Kommunikation schief gelaufen ist, weil Abteilungen in einem Unternehmen sich in ihren Kompetenzen beschnitten sehen… Die Anlässe sind vielfältig, gemeinsam ist solchen Workshops, dass die Betriebstemperatur von Beginn an hoch ist. Oder das Klima eisig, sodass erst einmal keiner spricht oder bereit ist, mitzuarbeiten. Beides anstrengend. Nicht selten, dass ich auch mein Fett dabei abbekomme, einfach weil ich an exponierter Stelle stehe. Da hilft es, wenn ich mir meine Grundhaltung vergegenwärtige: Ich bin als Moderatorin selten ursächlich für den Unmut von Teilnehmern verantwortlich. Mein Job ist es, Knoten zu lösen und die Truppe arbeitsfähig zu machen. Also gebe ich gleich vorneweg Gelegenheit, dass genau die Emotionen auf den Tisch kommen. Dann darf es blitzen und donnern. Und wem es zu viel wird, den lade ich ein, eine Viertelstunde vor die Tür zu gehen und dort einmal durchzuatmen. Danach geht es meistens wieder.


3. Natürlich kann auch ich mich vergaloppieren und ernte dafür Kritik. Wenn jemand sie äußert, finde ich das mutig. Nicht alles kann ich sofort lösen, aber ich nehme die Kritik erst einmal an. Schließlich habe ich ja nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, und schlauer werden finde ich immer gut.