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Donnerstag, 20. November 2014

Freies Assoziieren bei einer Kiste Bier?

Guerillamarketing ist frisch und frech, erfordert aber trotzdem solide Arbeit. Tolle Beispiele aus Münster beim Multiplikatorenabend zu "Münster gründet"

 Lokal und originell ist Guerillamarketing, sagt Experte Thomas Patalas im Vortrag.

Wenn die Mühlen des Marketing ins Knarzen geraten oder es gar nicht erst ein Budget dafür gibt, wird irgendwann Guerillamarketing aus dem Hut gezogen: kostet quasi nix und bringt irre Response, so der weit verbreitete Glaube. Außerdem klingt der Begriff ein bisschen verrucht. Und wird nicht eigentlich bei jeder Aktion dem Ordnungsamt ein Schnippchen geschlagen? Hört man denen zu, die es tatsächlich tun, wird schnell klar: Wer möchte, dass die Leute ein Anliegen weitererzählen, muss gut netzwerken, sich auf die vorhandenen Ressourcen besinnen und ausprobieren. Ja, und Ideen sollte man auch haben.

Guerillamarketing funktioniert vor Ort

Die Gründerinnen des münsterschen Designgipfels und des Mädelsflohmarkts Kleiderwirbel beispielsweise haben Eintrittskarten zu ihren Events in ausgewählten Lokalen versteckt. Eigentlich deshalb, weil sie bemerkt hatten, dass sie anderen Werbetreibenden auf die Nerven gingen mit ihrer Bitte, Designgipfel und Kleiderkreisel weiterzutragen. Das Ticket-Verstecken nützte hingegen den Veranstalterinnen und den Gastronomen, weil jeder über seine Kanäle für den anderen warb. Andreas Weitkamp vom alt eingesessenen Herrenausstatter Schnitzler, der auch gern ein Kerleausstatter wäre, wollte 2013 nach Brandschaden und dem Raub der kompletten Herrenkollektion bei Weitkamp am Prinzipalmarkt die Stimmung drehen und installierte ein Pop-up "Café, das keines ist" und die "Ausstellung aus gutem Grund" genau dort, wo die Einbrecher den Platz leer geräumt hatten.

Ideenfindung professionalisieren

Originell sein und auf die lokale Kultur Bezug nehmen - diese beiden Faktoren sind für Thomas Patalas vor allem erfolgskritisch, wenn es um Guerillamarketing geht. Um die Ideen zu finden, könne man einfach mit Freunden bei einer Kiste Bier frei assoziieren, sagte er bei seinem launigen Fachvortrag (übrigens auf Einladung der münsterschen Wirtschaftsförderung und Frauen & Beruf, moderiert von der fantastischen Andrea Blome). An dieser Stelle regt sich bei mir Widerspruch! Ideenfindung lässt sich viel effektiver mit professionellen Kreativmethoden gestalten:
Design Thinking ist die Methode, die wir dazu einsetzen. Design Thinking aktiviert Herz und Verstand und bringt in unglaublich kurzer Zeit viele tolle Ideen hervor.